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1. Tag: Flug MUC - CPH - KEF. Auf die Minute pünktlich Landung in Keflavík. Es ist kalt (ca. -5 C) und windig. Viel Schnee scheint nicht zu liegen. Am Nachmittag holen wir unsrere Schlitten (Fjellpulken) bei Cargolux (Heiðisgata) ab: Der Transport über die Spedition Rohde & Liesenfeld in München kam uns mit knapp 300 DM deutlich billiger als die Mitnahme im Flugzeug, da Schlitten nicht standardmäßig kostengünstig transportiert werden - nicht mal von Icelandair. (Inzwischen haben sich die Preise locker verdoppelt und die Mitnahme im Flugzeug ist billiger.) Außerdem konnten wir sie noch mit 45 kg Gepäck vollstopfen, das wir demnach nicht mehr selbst transportieren mussten. Anschließend fahren wir zu Landsbjörg, um unseren Tourenplan zu hinterlassen. Das ist zwar nicht obligatorisch, empfiehlt sich aber aus Gründen der Sicherheit. Deshalb leihen wir uns auch bei Síminn ein NMT-Mobiltelefon. In Island gibt es neben dem bei uns üblichen GSM-Netz das von den skandinavischen Ländern entwickelte NMT-Netz mit besonders großen Reichweiten. Während GSM in Island im wesentlichen zuverlässig nur längs der Ringstraße funktioniert, soll NMT auch große Teile des Hochlands abdecken. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen: In Hvítárnes etwa hatten wir keinen Empfang! (NMT wurde nicht weiterentwickelt und ist mittlerweile am aussterben.) Schließlich kaufen wir noch den nötigen Brennstoff (Reinbenzin, reinðað bensin) für die Tour. Wir rechneten 1/4 Liter pro Person und Tag, was sich ganz gut bewährt hat. Große Mengen Benzin zu kaufen kann ein Problem sein, da meistens im Laden nicht so viel vorrätig ist. Auch wir mussten am nächsten Tag nochmal wiederkommen, da vor uns ein jemand 20 Liter gekauft hatte. Wir sind offenbar nicht die einzigen auf Tour.


2. Tag: Heute soll uns "Abbi" (Arinbjörn Jóhannsson) abholen, um uns nach Brekkulækur im Norden zu bringen, wo wir die Nacht verbringen und morgen weiter nach Svartárdalur fahren werden. Dort soll die Tour beginnen. Abbi hat in Deutschland studiert, spricht fließend deutsch und organisiert normalerweise Reittouren. Sein Hof Brekkulækur ist dementspechend gut für Gäste eingerichtet, insbesondere die Fußbodenheizung hat im Winter einen ganz besonderen Charme. Davon später mehr. Jetzt steht erst mal die Fahrt nach Norden in Abbis altem Transit an. Das Wetter ist schon in Reykjavík recht stürmisch und verspricht im Norden richtig schlecht zu werden: Es ist noch gar nicht klar, ob die Ringstraße von Borgarnes in den Norden passierbar ist. Unterwegs versagt unsere Lichtmaschine, aber hilfsbereite Bekannte von Abbi reparieren sie in Rekordzeit. Nach einer halben Stunde fahren wir weiter nach Norden, das Wetter wird immer schlechter, der Wind weht uns bei der Überquerung des Borgarfjörður schier ins Wasser. Kurz darauf beginnt der Anstieg zum Pass, draußen sieht es mittlerweile derart apokalyptisch aus, dass mir beim Gedanken an unsrere bevorstehende Tour richtig schlecht wird; Gerd dreht sich ab und zu um und liest meine Gedanken an der Gesichtsfarbe ab. Kurz vor der Passhöhe stehen einige Laster rechts am Straßenrand, schemenhaft sind die Fahrer in Blaumännern durch den treibenden Schnee zu erkennen. Abbi steigt aus und erkundigt sich. Als er zurückkommt erklärt er, dass die Lastwagen ohne Schneeketten wohl den nächsten Hügel nicht meistern, die Fahrer sind dabei, welche aufzulegen. Uns was machen wir? "Wir legen keine auf", sagt er, "Ich hab sowieso keine." Na denn. Wir kommen drüber, Abbi fährt in einer aberwitzigen Geschwindigkeit, Wetter- und Straßenverhältnisse haben keinen nennenswerten Einfluss auf seinen Fahrstil. In Brekkulækur lernen wir Abbis Frau Claudia aus Rosenheim kennen. Ich bekomme mein erstes echt isländisches Essen, obwohl ich schon zum vierten Mal in Island bin: Gekochten Schellfisch, Kartoffeln, süß-saure Gurken und Rote Beete. Schmeckt ausgezeichnet. Überhaupt ist Brekkulækur der reine Luxus: Die schon erwähnte Fußbodenheizung, Dusche und - "Weil Ihr ja jetzt immer im Zelt zusammen seid" (Claudia) - nochmal ein Einzelzimmer.


3. Tag: Aufstehen gegen 8, nochmal duschen und gemütlich frühstücken. Sonniges, kaltes Wetter, mäßiger Wind. Claudia zeigt uns auf unseren Wunsch hin noch die , wunderschöne Tiere. Ein Jammer, dass ich nicht reiten kann. Es hat Schnee durch die Ritzen in die Scheune geweht, was ungewöhnlich ist und vom starken Wind der letzten Tage zeugt.
Schließlich fährt uns Abbi mit dem Transit ins Svartárdalur, nicht ohne nochmal nachzuhaken, warum wir im nördlichen Streckenabschnitt östlich der Blandá gehen wollen, damit durch den Fluss von der belebteren Kjölur abgeschnitten. Er macht sich wirklich Sorgen und treibt in Blönduos noch die Koordinaten zweier Notschutzhütten (Áfangi und Galtará) auf - für alle Fälle. Wovon uns aber allenfalls Galtará etwas nützen könnte, da Áfangi jenseits der Blandá liegt. Wir fahren das Svartárdalur hinunter bis Abbi beim Hof Steiná in einer Schneewehe stecken bleibt (absehbar!). Wieder mal kennt er einen Bauern der Umgebung, der ihn tatsächlich nach ca. einer 1/4 h mir dem Traktor rauszieht. Wir richten derweil unsere Pulkas her, machen uns bereit. Letzte Bilder, Abschied.
Es geht gemächlich die Straße lang, meist am Rand, da nur wenig Schnee liegt. An zwei Stellen ziehen wir die Schlitten rasselnd über den Dreck. Am Hof Hvammur läuft kläffend ein Hund auf uns zu, eine Art isländischer Schäferhund und begleitet uns. Eine Stunde später machen wir im Windschatten einer Scheune , ich spiele mit dem Hund. Das ist vielleicht ein Fehler, er wird immer anhänglicher. Es ist sonnig bei kräftigem, kalten NO-Wind. Der Weg folgt der Straße bis zum letzen Hof Fossar, wo wir ins Hochland aufsteigen. Der Aufstieg ist ziemlich steil und die Schlitten haben ihr Maximalgewicht von etwa 45 kg. Wir gehen langsam, der Hund ist immer bei uns, was uns zunehmend Sorgen bereitet. Was wenn er uns nicht verlässt? Es ist fast 6 Uhr und wir beschließen kaum, dass wir oben auf der Hochebene sind, zu zelten. Die Sonne ist jetzt schwach, der Wind aber immer noch stark, so dass es sehr kalt wird. Gegen 1/2 9 wird es dunkel, ich gehe nochmal aus dem Zelt und stelle entsetzt fest, dass der Hund immer noch da ist. Wir lassen ihn nicht ins Zelt in der Hoffnung, dass es ihm zu blöd oder zu kalt wird und er endlich umkehrt. Tatsächlich hören wir die ganze Nacht nichts mehr von ihm.


4. Tag: Gerd steht wie immer vor mir auf. Kaum draußen ruft er: "Hund, weg!" Das darf nicht wahr sein. Noch im Schlafsack beschließe ich, nach dem Frühstück wieder zum Hof Fossar abzufahren, um den Hund abzuliefern. Nach dem üblichen Trockenmilch/(Sólskins-)Müesli-Frühstück gehe ich ohne Gepäck los, der Hund folgt mir. Nach etwa 20 min bin ich schon zum Hof abgefahren, wenigstens eine Gelegenheit, die Tourenski zu nutzen. Tatsächlich sind Alpin-Tourenski, wie wir sie benutzen für diese Art Tour nicht empfehlenswert: Sinnvoller, da leichter und mit bequemerem Schuhwerk zu gehen, sind Backcountry-Ski. Auf dem Hof ist niemand zu sehen. Ich rufe mehrmals laut "Hallo" - keine Reaktion. Mist. Wenn ich jetzt zurückgehe, folgt mir der Hund wieder. Ratlos schnalle ich mir die Ski wieder an, als ich leise aus dem Wohnhaus "Halló?" höre. Eine alte Frau kommt aus dem Haus, ich versuche ihr klarzumachen, was mein Problem ist. Sie versteht es recht schnell und wir versuchen gemeinsam, den Hund zu fangen, was uns zunächst nicht gelingt, bis die Frau die rettende Idee hat: Sie geht ins Haus und kommt mit einer alten Jacke zurück. Ich lulle den Hund mit Streicheleinheiten ein, während sie sich von hinten mit der Jacke anschleicht. Schließlich wirft sie die Jacke über seinen Kopf, ich packe ihn unten und gemeinsam tragen wir ihn in einen Verschlag. Tür zu, Problem gelöst. Ich bedanke mich und mache mich wieder an den Anstieg zu Gerd. Ohne Gepäck komme ich schnell voran. Die ganze Aktion hat nur etwa 1 h gedauert. Endlich geht es richtig los: Die nächsten 3 Tage bis Hveravellir werden wir niemanden mehr sehen. Wir folgen anfangs der Piste, die hier noch zu erkennen ist. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall! Die auf den Atlaskarten eingezeichneten Jeeppisten sind im Winter meist verschneit. Nach kurzer Zeit verliert sich dann auch die Spur und wir navigieren vor allem mit GPS. Die Landschaft ist sehr eintönig und wird sich bis kurz vor Hveravellir auch nicht wesentlich ändern. Einmal sehen wir ein Auto drüben auf der Kjölur, jenseits der Blandá, fahren. Gegen abend erkennen wir zwei Gebäude in unserer Marschrichtung liegend. Schwer zu sagen, wie weit sie weg sind. Da der Wind wieder stark weht und die Möglichkeiten das Zelt auf der dünnen Schneedecke zu befestigen kaum gegeben sind, beschließen wir, im Windschatten dieser Hütten zu campieren. Wir gehen auf sie zu, stundenlang, ohne dass sie merklich näher rücken. Wir driften etwas von unserer Route nach Osten ab, aber nicht sehr. Nachdem wir so lange auf dieses Ziel zugegangen sind, können wir auch nicht mehr anders, als weitergehen, egal wie lange es noch dauert. Als wir gegen 18 h schließlich ankommen, sind wir psychisch und physisch völlig zermürbt. Es handelt sich um einen , natürlich verschlossen, mit zugehörigem Pferdestall. Wir beschließen, im Stall zu übernachten, was angesichts des Sturms, der in der Nacht draußen losbricht und der warmen, feuchten Strohballen, richtig gemütlich wird.


5. Tag: Es ist fast windstill und sonnig. Das nächste Ziel ist der Blönduvatn, den wir ziemlich schnell erreichen. Die Landschaft ist etwas abwechslungsreicher als gestern, der See liegt zugefroren vor uns, dahinter im Süden zeigt sich eine Reihe schöner Gipfel, spitz und markant. Wir gehen über den See zum nächsten Wegpunkt, dem Steg über Haugakvísl. Es hat sich zugezogen und fängt an zu schneien. Nach einer kurzen, ungemütlichen Mittagspause gehen wir weiter Richtung Mannabeinavatn. Der Schnee ist ziemlich pappig und wir versuchen erstmals ohne Felle zu gehen, weil sich an den Fellen Stollen bilden. Funktioniert mit Steigwachs gut. Es schneit jetzt stärker, die Sicht wird schlecht, wir verlieren die Piste wieder, nachdem sie zwischenzeitlich zu erkennen war, und verlassen uns ganz auf das GPS. Wir verfehlen den einprogrammierten Wegpunkt, markiert durch einen der wenigen Steinmänner, nur um 60 m. Etwa 2 km südlich stellen wir unser Zelt in einer Schneewehe auf. In Spitzbergen haben wir gelernt, dass auf den Gletschern Bambusstöcke sehr gut als Häringe taugen. Deshalb brachten wir etliche nach Island mit, wo sie aber nur begrenzt nützlich sind: Die Schneedecke ist oft zu dünn, um einem Bambusstock den nötigen Halt zu geben, ehe er auf den harten Lavaboden trifft. Deshalb suchen wir geeignete Zeltplätze im Tiefschnee, der eigentlich nur in Verwehungen zu finden ist. Nach der üblichen Fertigmahlzeit (Ungarntopf? Indonesicher Reistopf? Gemüserisotto?), aufgepeppt mit Tabasco und ein paar Kohlehydraten (Couscous, Reis, Kartoffelbrei, Nudeln), legen wir uns hin.


6. Tag: Wir wollen heute unbedingt Hveravellir erreichen. Die Entfernung dorthin ist wie in den letzten Tagen etwa 20 km. Problem: An meinen Fersen ist millimetertief die Haut abgerieben, der rechte Fuß ist stark angeschwollen. Außer den Schmerzen macht mir eine mögliche Infektion Sorgen. Wir haben keine geeignete desinfizierende Salbe dabei, ein klarer Fehler in der Planung. Der Weg nach Hveravellir wird heute jedenfalls sehr lang und sehr hart werden. Die Sicht ist schlecht, die Strecke führt erst einmal über weites, ebenes Geläde, es ist wieder mal supereintönig: So stelle ich mir das grönländische Inlandeis vor. Ich bin froh, als wir endlich die Abbruchkante hinab zur Blandá erreichen. Ich glaube sogar Hveravellir zu erkennen, was Unsinn ist. Die an dieser Stelle zugeschneite Blandá überqueren wir ohne es zu merken. Die Route führt hier über unzählige Grasbüschel, die bei der geringen Schneelage deutlich zu spüren sind; immer wieder müssen wir die schweren Schlitten über diese Unebenheiten hinweg stemmen, was sehr anstrengend ist. Wir erreichen die Kjölur und steigen zum Dúfunefsfell an, ich versuchs ohne Felle, was grade so möglich ist. Der Anstieg zieht sich länger als erwartet und ich freue mich schon auf die Abfahrt. Es wird aber keine berauschende Abfahrt, der Schlitten bremst mehr als dass er schiebt. Der Fluss bildet an der Westseite des Dúfunefsfell eine Schlucht und man muss aufpassen, dass man bei schlechter Sicht die Stelle (siehe GPS-Koordinaten DUFNEF), an der man passieren kann, nicht verfehlt. Bei uns ist indes die Sicht mittlerweile gut, es scheint eine milde Spätnachmittagssonne. Gegen 18 Uhr erreichen wir schließlich Hveravellir. Endlich. Eigentlich wollten wir immer zelten, aber die F.I.-Hütte hier - und nicht nur hier! - ist einfach zu verlockend. Tatsächlich werden wir bis Hvítárnes gar nicht mehr zelten, da ab jetzt immer eine Hütte das Etappenziel sein wird und es einfach widersinning wäre, sein Zelt neben einer leeren Hütte aufzustellen. Wir wussten anfangs nicht, dass die Hütten alle offen sind und von jedermann genutzt werden können; natürlich sind sie zu bezahlen, was sich später in Reykjavík problemlos über Telefon unter Angabe der Kreditkartennummer regeln lässt. Es wird am Abend noch sehr gemütlich in der warmen Hütte: Wir lernen drei isländische Skiwanderer kennen, Fínnbogi, Magnus und Örn, und schlafen beinahe im Hot Pot ein.


7. Tag: In der Nacht beginnt es furchtbar zu stürmen, der Wind heult um Haus und ich bin gottfroh, nicht im Zelt zu sein. Fast genauso furchtbar ist die Ankunft von fünf isländischen Musikern gegen Mitternacht (mit Jeep), die heute zu einer Skitour aufbrechen wollen. Sie brauchen ca. 1 1/2 h bis sie in ihren Betten installiert sind und übertönen dabei den Sturm. Der Sturm hält auch am Tag an, von der Wetterstation erfahren wir, dass er mit knapp 20 m/s bläst. Gegenüber der F.I.-Hütte liegt das Klohäuschen (beheizt und mit Wasserspülung!). Wir haben Mühe, dessen Tür gegen den Wind zu öffnen. Der perfekte Ruhetag. Auch unsrere drei Isländer legen einen Ruhetag ein und erzählen uns unter anderem, dass es nicht möglich ist, zum Gullfoss zu gehen: Ab Bláfellsháls liegt kein Schnee mehr. Wir müssen also unsere ursprüngliche Planung ändern und bestellen von der Wetterstation aus ein Mountain Taxi, das uns in Hvítárnes abholen soll. Es kostet 25000 Kronen, etwa 580 DM. Angesichts der Strecke ist das völlig in Ordnung. Der Tag vergeht ziemlich ereignislos, es ist zu kalt für den Pool, Magnus gibt mir für meine Füße eine Salbe, die hervorragend wirkt und Örn bietet uns am Abend Hákarl an, was wirklich eine Schweinerei ist.


8. Tag: Magnus, Örn und Fínnbogi brechen heute nach NW auf, gehen an der Nordseite des Langjökull Richtung der Seenplatte Arnarvatnsheiði, wo sie Eisfischen wollen. Der Wind bläst immer noch sehr stark, wenn auch ein wenig schwächer als gestern. Gerd und ich haben jetzt jede Menge Zeit, nachdem wir unsere Tour mangels Schnee kürzen mussten und beschließen einen weiteren Tag zu bleiben: Kaffee trinken, essen, lesen und Füße pflegen. Nachdem die drei gegengen sind, beiben wir alleine in der Hütte zurück.


9. Tag: Wir gehen weiter zur F.I.-Hütte in Þjófadalir, die wir gegen 3 Uhr nachmittags erreichen. Die Hütte ist winzig, ein Windfang und ein Raum mit Schlafkojen. Drinnen ist es wesentlich kälter als draußen, wo es mittlerweile fast windstill (!) ist und die Sonne scheint. Wir kochen drinnen ein Süppchen ("shrimps flavour", "duck flavour", "chicken flavour"?), ohne den Daunenanorak auszuziehen. Es gibt kein Gas oder Wasser in der Hütte, wir sind auf Schnee und den eigenen Kocher angewiesen. Das Klohäuschen - natürlich Plumpsklo - ist voller Schnee und nicht benutzbar.
Meinen Füßen geht es wieder besser dank Magnus' Salbe, so dass ich angesichts des schönen Wetters und der kurzen Etappe zu einer Skitour auf den Þjófafell aufbreche. Von oben bietet sich eine schöne Aussicht auf den Langjökull und das Hochland in Richtung Hveravellir.


10. Tag: Es ist warm geworden, um die Null Grad, leichter Schneefall und Nebel, als wir gegen 1/2 12 in Þjófadalir aufbrechen. Es ist wieder eine kurze Etappe nach Þverbrekknamúli, die wir in höchstens 4 h schaffen sollten. Dachten wir wenigstens.
Wir treffen bald wieder auf die Kjalvegur die auf diesem Abschnitt durchgehend mit Steinmännchen gekennzeichnet ist. Das Wetter wird schlechter, es fängt stark zu schneien an, ein nasser, pappiger Schnee, der unter den Skien kleben bleibt: Auch ohne Felle bilden sich 10 cm dicke Stollen. Die Sicht wird auch immer schlechter, die Konturen der Berge sind längst in einem milchig-weißen Einerlei aufgegangen, wir haben Mühe, den nächsten Steinmann zu sehen. Gar nicht zu erkennen sind Unebenheiten im Gelände, d.h. während man geradlinig auf den nächsten Steinmann zugeht, nimmt man jede Bodenwelle mit, was sehr kräftezehrend ist. Wir kommen den Umständen entsprechend langsam voran: Nur etwa 2 km/h. Das geht wenigstens drei Stunden so, irgendwann geht mir das Weiß auf die Nerven, ich suche irgendwelche Konturen in dieser Suppe aber da sind keine. Bei exakt 19° 36' West verlassen wir die Kjalvegur und kürzen ab, indem wir genau Richtung Süden gehen. Die Überquerung des Flusses ist hier kein Problem, das wussten wir schon von Magnus. Es bleibt weiß, nicht mal mehr Steinmännchen. Meine Stimmumg ist auf dem Tiefpunkt. Nachdem wir vielleicht 1/2 h nach Süden gegangen sind, kann ich undeutlich die Umrisse von Bergen erkennen: Ich bin begeistert, die Stimmumg wird schlagartig besser, ich bin selbst erstaunt, welchen Einfluss das auf mich hat. Wir rasten nochmal kurz und nehmen den letzten, schweren Abschnitt in Angriff: Es zieht sich lange an der Ostseite des Þverbrekknamúli bergan, ehe es zum Schluss wieder zur Hütte bergab geht. Von Abfahrt kann aber nicht die Rede sein, weil die Stollen unter den Skien das verhindern. Zwischen 6 und 1/2 7 kommen wir völlig erschöpft an der schönen, offensichtlich vergrößerten und renovierten Hütte an. Auch hier sind wir wieder allein, was der schiere Luxus ist. Sogar das Plumpsklo ist benutzbar.


11. Tag: Da wir erst morgen in Hvítárnes sein müssen, bleiben wir einen Tag in Þverbrekknamúli. Eigentlich wollte ich die Gegend südlich des Hrútfell erkunden, aber der Fluss, der die Ebene bei der Hütte nach Westen und Südwesten begrenzt, zwingt mich schon bald zur Umkehr. Statt dessen mache ich eine kleine Skitour auf die umlie&genden Aussichtsberge Þverbrekkur und Þverbrekknamúli. Dabei finde ich sogar einen gefrorenen Wasserfall. Am frühen Nachmittag bin ich wieder zurück und der Tag vergeht vollends wie üblich mit essen und lesen.


12. Tag: Beim Aufbruch ist das Wetter nicht schlecht, aber es windet wieder recht stark, schätzungsweise 10 m/s. Der Weg nach Hvítárnes führt über eine weite Ebene; in der Ferne sieht man immer den Bláfell. Abgesehen vom Wind und dem damit einhergehenden Treibschnee, der in 5 min die Ski so bedeckt, dass sie kaum mehr zu erkennen sind, ist es eine ziemlich ereignislose Etappe. Wir erreichen unser Ziel schon am frühen Nachmittag (Rückenwind!): Die sehr schöne, alte und architektonisch reizvolle . Wie üblich sind wir allein, Gerd schafft es sogar, den Petroleumofen in Gang zu bringen, trotz isländischer Gebrauchsanweisung.


13. Tag: Ein strahlend sonniger Tag, den wir leider nicht wie geplant nutzen werden: Um 2 Uhr ist das Mountain-Taxi bestellt. Wir zweifeln kurz, ob es nicht vielleicht doch möglich wäre, bis zum Gullfoss zu laufen, schließlich sieht es hier oben nicht so schlecht aus... Aber das ist natürlich nur Gedankenspielerei. Gerd und ich werfen grade noch einen Imbiss ein, als wir kurz nach Mittag Motorengeräusch hören. Der Taxi-Superjeep fährt um die Hütte uns aussteigt Kristján G. Kristjánsson. Er spricht fließend deutsch und ist bester Laune wegen des schönen Wetters. Kaum sind die Schlitten verstaut und wir auf dem Weg zum Bláfellsháls, erfahren wir, dass er der Chef der Mountain-Taxler ist und deshalb das Privileg genießt, sich "die lustige Touren" aussuchen zu dürfen. "Wann müsst ihr in Reykjavík sein?" Nichts Böses ahnend antworten wir wahrheitsgemäß, dass uns das egal ist. "Dann können wir ja über den Gletscher fahren!" Klar doch. Er will allen Ernstes am Bláfell nach Westen auf den Langjökull abbiegen, den Gletscher queren und irgendwo nördlich von Þingvellir wieder runterfahren. Am Pass treffen wir einen anderen Jeep (keiner aus Kristjáns Firma), der gerade mit zwei Touristen von einer "Gletschertour" zurückkommt: Die Beiden unterhalten sich ein wenig und es stellt sich heraus, dass der Kollege zwei Stunden gebraucht hat, um 200 m auf den Gletscher zu fahren, steckenzubleiben, und endlich mit großer Mühe wieder 200 m zurückzufahren. Nachdem Kristján uns das übersetzt hat, erklärt er gleichgültig: "Wir fahren trotzdem." Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Nach 200 m stecken wir erst mal fest, aber mittels einer ausgeklügelten Schaukeltechnik, schafft es Kristján weiter auf festeren Schnee zu kommen, was klar zeigt, dass er der bessere Fahrer ist. Eine zeitlang geht das ganz gut, es ist schon ein tolles Gefühl in einem Jeep bei strahlendem Sonnenschein über den Langjökull zu fahren. Kristján gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen geilsten Gletscherfahrten erzählt: In einer Stunde über den Langjökull bis Hveravellir, die Ohren vollgedröhnt mit passender Musik. Aber das geht natürlich nur, wenn der Gletscher hart ist und eine gute Piste abgibt. Nicht so wie heute. Schließlich erreichen wir etwas nördlich der Jarlhettur einen steilen Abhang, drüben geht es genauso steil wieder hinauf. Unser Fahrer wird stiller, voll darauf konzentriert alte Spuren zu finden. Ohne Erfolg. Wir bleiben wieder stecken. Wir schaukeln ein wenig und es geht wieder 5 m weiter. Wohlgemerkt bergab! Fahren, festsitzen, schaukeln, so geht das etwa eine Stunde. Wir sind immer noch nicht unten. Kristján lässt nochmal Luft aus den Reifen, was aber auch nichts nützt. Dann verkündet er, dass wir statt weiter über den Gletscher zu fahren, nach Süden bei den Jarlhettur hinab Richtung Gullfoss abbiegen. Sonst reicht das Benzin nicht. Er ist die Strecke zwar noch nie gefahren, aber "zurück kommen wir sowieso nicht mehr". Mit meiner Atlaskarte und GPS schaffen wir es tatsächlich, den steilsten Hängen aus dem Weg zu gehen und sind eine Stunde später auf der Piste vom Hagafell zum Gullfoss. Unten ist tatsächlich kein Schnee mehr, mit den Schlitten wäre es völlig aussichtslos. Nach einer kurzen Kaffeepause am Geysir erreichen wir ein paar Stunden später Reykjavík. Es war nochmal ein richtig toller Tag.