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1. Tag: Flug wie üblich über CPH nach KEF, Sonne über Ost- und Südisland, ich erkenne Þórsmörk, den Eyjafjallajökull, die Westmännerinseln. Ab den Bláfjöll fliegen wir in den Wolken, was sich bis zur Landung in Keflavík auch nicht ändert. Unten 3 Grad, es regnet auf Schneereste. Gegen 6 kommen wir bei Anna im Gästehaus an.
Abends treffen wir Hjámtýr und Úlfar. Sie bringen uns zum Gletscher und werden uns auch in Hveravellir wieder abholen. Außerdem hat uns Hjámtýr schon seit Ende Januar bestens bei der Routenplanung unterstützt: Wo ist der beste Aufstieg, welche Abstiegsmöglichkeiten gibt es, wo ist auf Spalten zu achten? Die Beiden kennen den Gletscher ausgezeichnet und es war in jeder Hinsicht 100% Verlass auf sie. Jetzt legen wir abschließend die Route fest, da sich die Schneelage und damit der Anfangs- und Endpunkt in den nächsten Tagen nicht wesentlich ändern wird. Wir werden übermorgen zur Jaki-Hütte bei Geitlandsgígur fahren, um dort auf den Gletscher bis auf eine Höhe von etwa 1300 m aufzusteigen. Die private Hütte liegt auf knapp 800 m und ist mit dem Jeep relativ gut zu erreichen, deshalb auch ein beliebter Einstiegspunkt für Gletscherquerungen mit dem Auto oder Motorschlitten. Sie bietet keine Unterkunft. Oben auf dem Gletscher werden wir dem Langjökull in westlicher Richtung folgen, biegen dann nach Norden zum Péturshorn ab und gehen von dort weiter auf den Nordteil des Gletschers. Schließlich werden wir zum Djöflasandur absteigen, die Dauðmannsgíl passieren (Vorsicht bei schlechter Sicht!) und uns dann von Norden Hveravellir nähern.
Später am Abend treffen wir Magnus, den wir im Vorjahr mit seinen Freunden in Hveravellir kennengelernt haben. Er ist Künstler, berichtet uns von seinem neuesten Projekt und führt uns in Reykjavíks Künstlerkneipe. Zurück im Gästehaus wartet Anna's gerade mal 5 Monate alte Katze auf uns.


2. Tag: Wir bringen die Schlitten durch den Zoll und gehen zu Síminn wegen NMT-Telefon. Nach den Erfahrungen im Vorjahr waren wir etwas skeptisch, aber Hjámtýr versichert, dass es auf dem Gletscher in der Regel gut funktioniert. Tatsächlich war es so und wir haben uns dann jeden zweiten Abend bei ihm gemeldet. Später bringen wir mit Úlfar die Schlitten zu Anna. Anschließend werden die restlichen Einkäufe erledigt.
Das Wetter ist unterdessen saumäßig: Dauerregen, immer noch knapp über Null. Aber Hjámtýr hat schon gestern versichert, dass es ab morgen besser werden soll, und er hat Recht behalten. Trotzdem erkälte ich mich bei Wind und Regen ohne Mütze (selber Schuld), abends Halsweh.


3. Tag: Hjámtýr und Úlfar holen uns Punkt acht ab. Wir fahren über Húsafell nach Jaki. Unterwegs schaun wir uns Europas größte heisse Quelle an, die Warmwasser bis nach Borganes und Akranes liefert, immerhin etwa 60 km entfernt. Am Hraunfoss halten wir: Hier beginnt der schwierige Teil der Strecke und Úlfar muss den Wagen dafür präparieren. Wir schauen solange die Wasserfälle an und lesen die Geschichte dazu: Eine isländische Mutter hat eine natürliche Lavabrücke über den reißenden Fluss kurzerhand eingerissen, nachdem ihre Kinder beim Versuch diesen Brücke zu überqueren ertrunken sind. Deshalb Barnafoss.
Als wir weiterfahren kommen gerade ein paar "Arctic Trucks" und wir reihen uns ein. An der ersten kniffligen Stelle bleiben die beiden vor uns zögernd stehen; Úlfar fährt einfach links vorbei durch den tiefsten Schnee und Matsch und stellt damit die Verhältnisse wieder klar. Angesichts der vielen Fahrzeuge frage ich, ob der Gletscher nicht überfüllt sei: Nein, noch ist es nicht so schlimm, da die Anfahrtswege in schlechtem Zustand sind - "the sunday drivers turn round". Ich drehe mich um und es ist tatsächlich niemand mehr zu sehen.
An der Jaki Hütte sind dann aber doch noch einige Jeeps. Im Laufe des Nachmittags werden wir sie aber alle aus den Augen verlieren, der Gletscher ist groß, Gott sei Dank. Letzter Kaffee aus der Thermoskanne, Abschied und Aufbruch. Wir steigen stetig bergan, aber es ist nicht so steil, wie es auf der Karte den Anschein hat. Das Wetter wird wie vorhergesagt immer besser, es ist mäßig kalt und windig, ziemlich sonnig. Nach etwa 400 HM frischt der Wind deutlich auf, fast stürmisch, und zwingt uns bereits für die erste Rast ein Mäuerchen zu bauen. Das wird in den nächsten Tagen noch zur Routine werden, kein Mittag und kein Abend ohne Mauer. Gerd war sogar so spendabel, eine Schneesäge zu kaufen: Unverschämt teuer, nicht unbedingt nötig, die Spaten tun's auch, aber doch sehr praktisch, da sich große, ebenmäßige Ziegel sehr schnell schneiden lassen. Die große "Zeltmauer", um gegen mögliche Stürme in der Nacht besser gerüstet zu sein, ist etwa 4 m mal 1,5 m und wir bauen sie in einer knappen halben Stunde. Nach der Mittagspause quälen wir uns noch eine Zeit lang durch den "Schneesturm", ehe der Wind plötzlich abflaut. Als ich zurückschaue, sehe ich, dass es tatsächlich ein Sturm aus Treibschnee war, lokal deutlich begrenzt. Jetzt scheint die Sonne, aber es ist kälter geworden. Wir haben den angepeilten lokalen Gipfel bald erreicht und der Blick wird frei nach Westen in Richtung des Bláfell. Kurz danach bauen wir das Zelt auf. Am Abend wird es sehr kalt, zu kalt um einfach so noch im Zelt zu sitzen, wir beeilen uns, in die Schlafsäcke zu kommen. Aber es wird noch kälter werden.


4. Tag: Ich habe zwei Schlafsäcke. Daune innen und einen ziemlich dünnen Kunstfaser Außenschlafsack. Das ist ein Kompromiss: Ein extrem warmer Schlafsack, möglichst aus Daune, ist besser, aber auch sehr teuer und sehr selten zu gebrauchen. Ins Kopfteil des äußeren Schlafsacks habe ich meinen Daunenanorak gesteckt, weniger als Kopfkissen, mehr als zusätzlichen Schutz gegen die Kälte, die sich am Kragen ihren Weg ins Innere sucht (und findet). Das funktioniert recht gut, ich friere jedenfalls nicht, ahne nur hin und wieder wie kalt es im Zelt ist, wenn sich der Anorak verschiebt und die kalte Luft mir in den Nacken fällt. In der Nacht müsste ich mal raus, will aber nicht; gegen Morgen halte ich es dann nicht mehr aus. Draußen bietet sich ein wunderschöner Anblick: Im Osten ein erstes, zartes Licht, ein hellgrün-blauer Streifen trennt das scheinbar endlose, nächtliche Weiss des Gletschers von dem tief dunkelblauen Nachthimmel. Leider ist es zu kalt, um die Kamera aus dem Zelt zu holen, ich verzichte auf ein Bild.
Wolkenloser Himmel, als wir schließlich aufstehen. Ziel ist es, heute möglichst nah an den Þursaborg zu kommen, der praktisch genau in der Mitte des Langjökull liegt. Dieser Berg ist eine sehr markante Felsformation, die plötzlich aus dem Gletschereis ragt. Es ist Sonntag, also der Tag mit den meisten Motorschlitten und Jeeps auf dem Langjökull. Wir sehen aber erstmal keine, bis auf einen winzigen Punkt weiter unten Richtung SO, der sich aber nicht bewegt: Offensichtlich Motorschaden. Ansonsten bestätigt sich, was wir gestern schon feststellten: Der Gletscher ist groß, wir werden Autos oder Motorschlitten nur von weitem hin und wieder in der Sonne blitzen sehen. Nach Osten bietet sich ein herrlicher Ausblick, links die Spitzen der Kerlingarfjöll, dann der Bláfell, in der Ferne ist der Hekla gut zu erkennen, weiter unten ragen ein paar der Jarlhettur über den Gletscher. Die Sonne scheint ungetrübt, es ist fast windstill und daher auf den ersten Kilometern ziemlich warm. Das ändert sich schlagartig, als wir mittags nach Norden abdrehen. Es frischt noch mäßig auf, wird aber sofort extrem kalt. Wieder ist an eine Mittagspause ohne Schutzmauer nicht zu denken. Bald nach der Rast taucht am Nachmittag während eines langen, sanften Anstiegs der Þursaborg auf. Es sieht gar nicht so weit aus, aber das GPS sagt 9 km und es hat wie immer Recht. Das sind wenigstens 3 h Marsch, was heute nicht mehr zu schaffen ist. Wir campieren etwa 5 km vor dem Berg. Die Temperatur ist weiter gefallen, es ist unglaublich kalt.


5. Tag: Diese Nacht ist wieder ein bischen kälter als die letzte, ich vergrabe mich so tief in meinen Schlafsäcken, dass ich fast ersticke, da kaum noch Luftaustausch. Dafür ist es vergleichsweise angenehm warm, wenn auch ziemlich feucht. An der Grenze zur Frischluft gefriert der feuchte Atem und es bildet sich eine Art Eiskragen. Gerd legt sich nach dem Kochen zitternd in seinen Schlafsack, ohne irgendetwas außer den Skistiefeln auszuziehen, mit Daunenanorak und Mütze. Das Aufstehn in der Nacht klappt jetzt schon besser: Ich öffne von Innen alle Reissverschlüsse so weit wie nötig, richte mich auf, dabei hakt sich im Idealfall bereits die Kapuze meines Daunenanoraks an meinem Kopf ein, so dass ich nur noch blitzschnell in die Ärmel schlüpfen muss, um wieder einigermaßen warm zu haben. Am Morgen schneit es feinen Eisgriesel bei jeder Berührung der Zeltwände. Jeden Abend wenn wir das Zelt aufstellen schaufle ich ein paar Hände voll Schnee aus dem Zeltinnern, das gefrorene Kondenswasser der letzten Nacht. Ich erwäge zum ersten Mal, mein Müesli heiss zu essen, obwohl ich das hasse. Da mir Gerd aber sowieso nur lauwarmes Wasser reicht, schmeiße ich dann doch lieber wieder Schnee dazu, damit es wenigstens richtig kalt ist.
Da die Sicht unverändert großartig ist, wollen wir heute an der Ostseite des Þursaborg vorbei, über die Westflanke des Pétursborg hinauf auf den nördlichen Teil des Langjökull. Einfacher zu gehen und etwas kürzer, aber landschaftlich weniger reizvoll ist der Weg westlich des Þursaborg. Nach etwa eineinhalb Stunden geht es ziemlich steil bergan und der Wind frischt plötzlich auf. Nach kurzer Zeit erreicht er Orkanstärke, subjektiv jedenfalls, und natürlich von vorn. Ich sehe schlecht, weil mir trotz Gletscherbrille die Augen tränen, sogar das Atmen fällt in diesem Sturm schwer. Der Schnee sieht so aus, als winde es hier häufig so: Verblasen und knochenhart. Es knirscht bei jedem Schritt. Fast auf dem Gipfel des Pétursborg blicke ich zurück, sehen wo Gerd bleibt, unter mir der Þursaborg, diesmal von der anderen Seite. Landschaftlich ist das wahrscheinlich der schönste Teil der ganzen Strecke: Im Westen sehen wir den Eiriksjökull, den Hallmundarhraun und weiter bis Húsafell und das Meer bei Borganes; auf der anderen Seite wie immer die Kerlingarfjöll, der Hrútfell und bald liegt auch die Ebene von Hveravellir unter uns, mit dem Þjófafell im Vordergrund, den ich im letzten Jahr noch bestiegen habe, und dem Strýtur. Wir haben uns diese Gletschertour nicht annähernd so abwechlungsreich vorgestellt, wie sie dann tatsächlich war. Hinter jedem Hügel eine neue Aussicht. Natürlich hätte es bei schlechtem Wetter auch ganz anders kommen können.
Nach der Mittagspause mit gefrorenen Flatkökur und Südtiroler Speck gehen wir weiter Richtung NO. Ein paar Motorschlitten passieren uns, sie kommen offenbar von Þjófadalir/Hveravellir. Gegen 4 Uhr legt sich der Wind und eine halbe Stunde später schlagen wir das Zelt an einer wunderschönen Stelle mit Blick auf den Kjalhraun auf. Wir könnten hier wahrscheinlich sogar in Richtung Þjófadalir absteigen. Kommt aber nicht in Frage, da wir es erstens nicht überprüft haben und zweitens es hier oben zwar kalt aber immer noch traumhaft schön ist.


6. Tag: Es geht jetzt weiter sacht bergan auf den höchsten Punkt des nördlichen Teils des Langjökull, der allerdings nicht eindeutig zu bestimmen ist. Im Norden tauchen neue Berge auf, man erkennt sogar das Meer. Kurz vor dem "Gipfel" ein eigenartiges Phänomen: Eine gezackte, wie mit dem Lineal gezogene Abbruchkante im Schnee. War die Oberfläche vorher eisig und windverblasen, so wird sie jetzt plötzlich weich, bei jedem Schritt sinken die Ski ein wenig im Schnee ein. Bemerkenswerte Koinzidenz: Das Wetter scheint sich zu ändern, wir haben plötzlich mäßigen Wind aus SW, während wir die letzten Tagen immer den kräftigen Nordwind im Gesicht hatten. Wir machen die erste Mittagspause ohne Schneemauer und können schon den Abstieg in Richtung Djöflasandur erahnen. Es zieht sich dann doch noch etwa 1,5 h nahezu eben über den Gletscher, ehe es merklich bergab geht.
Außer zum Djöflasandur ist es hier auch möglich in Richtung des Oddnýarhnúkur abzusteigen. Das ist der kürzere Weg nach Hveravellir. Da wir es nicht eilig haben, bleiben wir bei unserem ursprünglichen Plan. Auf den letzen Kilometern genießen wir die Abfahrt vom Langjökull.
"Unten" - auf ca. 900 m - angekommen, suchen wir bald einen Zeltplatz, solange es noch tiefen Schnee gibt. Denn inzwischen windet es stark vom Gletscher herunter und das letzte Jahr hat gezeigt, wie schwierig es ist auf dem harten Hochlandboden mit der dünnen Schneedecke über der Lava, das Zelt ordentlich zu fixieren. In diesem Jahr dagegen haben sich unsere Bambustöcke auf dem Gletscher wieder hervorragend bewährt. Wir dokumentieren noch einmal den Bau der Schneemauer mit Schneesäge, das letzte Mal.


7. Tag: Es ist wärmer geworden: Erst schneit es dicke Pappschneeflocken statt des üblichen Eisgriesel vom Zeltdach, dann regnet es sogar, überall sammelt sich Wasser in Lachen auf dem Zeltboden. Draußen dürften es immer noch etwa - 10 Grad sein, aber hier drin ein riesen Wetterumschwung. Wir beeilen uns noch vor dem Frühstück alles wegzupacken, was nicht unbedingt gebraucht wird, nur die Isomatten müssen bleiben, auch wenn sie nass werden. Heute halb so wild, da wir jedenfalls Hveravellir erreichen, es sind nur noch 12 km. Den Müeslilöffel können wir erstmals wieder ohne Handschuhe halten.
Das stabile Winterhoch der letzten Tage ist jetzt offensichtlich am Zusammenbrechen. Von Süden her ist es bedeckt, im Norden scheint noch die Sonne. Schwach windig. Die ersten Kilometer bis zur Dauðmannsgíl geht es noch fast 400 Meter bergab, wir können oft gleiten. Wir umgehen den Gónholl nördlich, wegen der bereits erwähnten Gefahr sonst zum Toten Mann in der Schlucht abzusteigen. Klingt wie Schatzinsel. Erwartungsgemäß kommen wir schnell voran, die Hochebene ist bald erreicht. Die Schneelage ist auch wie erwartet, nämlich miserabel. Bei einer kurzen Mittagsrast scheuchen wir unabsichtlich einige Schneehühner auf und gehen dann die restlichen paar km bis Hveravellir.
Es ist Mittwoch und in Hveravellir ist nichts los. Der Warden in der Wetterstation erwartet uns schon, da Hjámtýr uns vorsorglich angekündigt hat. Er plaziert uns in der Hütte direkt neben dem Pool, der optimal temperiert ist, so dass wir fast den ganzen restlichen Nachmittag darin verbringen. Noch sind wir allein, am Abend kommen noch zwei Jeepfahrer vom Vatnajökull (!). Für Freitag sind 15 Personen angekündigt.


8. Tag: Hjámtýr soll uns am Sonntag abholen, solange bleiben wir hier. Ich kuriere endlich meine Erkältung aus, da nach dem anfänglichen Halsweh und Schnupfen jetzt der Husten immer schlimmer wird, verbringe den Tag mit lesen, essen, schlafen.


9. Tag: Gerd macht eine Skitour auf den Rjúpnafell, ich bleibe, da immer noch stark hustend. Am frühen Nachmittag ist er zurück, dann kommt die Vorhut der angekündigten 15 Isländer: Ein "Rescue-Team". Jetzt beginnt der normale Wochenendbetrieb in Hveravellir: Letzte Woche das Frühjahrstreffen der Hochland-Trucker, diese Woche der Verband der Lebensretter. Die Lebensretter haben nicht nur Megajeeps, sondern auch eindrucksvolle Raupenfahrzeuge, die aussehen wie fahrende Tupperboxen. Wohl die Einsatzleitung. Die Fahrt von Akureyri nach Hveravellir mit diesen Fahrzeugen dauert zwei Tage!
Am späten Abend richtet uns jemand vom Warden aus, dass Hjámtýr uns schon morgen abholt, da ein Wettersturz angesagt ist: Windgeschwindigkeiten bis 30 m/s und Plusgrade im Hochland. Bei diesen Bedingungen haben auch die Superjeeps große Probleme, sich durch den Schneematsch zu kämpfen.


10. Tag: Hjámtýr ist mit seinen Kollegen in der Nacht gekommen, wir sehen morgens die beiden Icetravel-Jeeps vor der anderen Hütte. Es ist jetzt Hochbetrieb in Hveravellir, in unserer Hütte geht es zu wie im Bienenstock. Früh morgens kommen neue Lebensretter, offenbar von einer Nachtübung, frische schwärmen aus. Es ist wirklich sehr warm geworden, etwa 3 Grad plus, kräftiger Wind, aber noch nicht die > 20 m/s. Wir packen, beladen die Jeeps und beeilen uns wegzukommen.
Ich bin mit Óskar und Hjámtýr im einen Jeep, Gerd mit Úlfar und Birgi, dem Mechniker der Crew, im anderen. Birgi kommt aus Akureyri und ist, man glaubt es kaum, das erste Mal im Hochland. Anfangs geht es recht gut, Óskar donnert zeitweise mit 80 km/h dahin. Wenn man vergessen hat sich anzuschnallen, denkt man spätestens jetzt dran. Wir halten an, um das Gepäck auf dem Dach festzuzurren: Der Wind bläst jetzt so stark, dass es schwer ist, die Wagentür zu öffnen. Wir kommen weiter gut voran bis zum Bláfellsháls. Es liegt fast kein Schnee mehr am Hvítárvatn, noch weniger als im letzten Jahr. Kurz nach dem Pass bleibt Úlfar in einem metertiefen Schneematschloch stecken. Óskar zieht ihn raus, mich bläst es derweil auf dem glitschig-nassen Eis einfach um. So hätte es auch sein können auf dem Langjökull. Über Telefon erfährt Úlfar, dass die Rescue-Teams mit den Jeeps nicht mehr durchkommen und auf Motorschlitten umgestiegen sind. Die Jungs von Icetravel hatten Recht damit, uns so schnell rauszuholen. Nach etwa drei Stunden seit Hveravellir erreichen wir den Gullfoss.