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13.3.2010: Wie 2008 ist Versalir der Ausgangspunkt unserer Tour. Diesmal soll sie nicht nach Norden über den Hofsjöküll führen, sondern nach Westen durch die Kerlingarfjöll, die Kjölur und weiter bis Hagavatn. Das wird uns auch gelingen, auch wenn wir mit unerwarteten Problemen zu kämpfen hatten.
Wie 2008 führt die erste Etappe zum Þúfuvatn und ebenfalls wie damals haben wir miserable Sicht. Erst auf den letzten Kilometern vor der Hütte lichten sich die Nebel etwas. Aber anders als vor zwei Jahren ist es diesmal ungewöhnlich warm. Der ganze isländische Winter war wohl schon so. Auf der Fahrt von Hrauneyjar nach Versalir war die Piste nie komplett zugeschneit, stattdessen türmte sich stellenweise der Schneematsch so hoch, dass die Jeeps ihre Mühe hatten weiterzukommen. Nach dem Abschied von unseren Freunden folgen wir wieder der Piste nach Norden. Aber diesmal müssen wir oft an der Seite gehen, denn auf der Piste reicht der Schnee nicht für Ski und Pulka. Der Weg abseits der Piste führt über Hügel und durch Senken, in denen bläulich Wasser durch's dünne Eis und den Schnee schimmert. Wir umgehen die Stellen so gut es geht und erreichen nach ca. 4 h gegen 1/5 5 die Þúfuvatnaskáli.
Das Thermometer im Haus zeigt 5,5° innen und 2,2° außen. Der See ist nicht komplett zugefroren. Morgen geht es weiter nach Setur, da müssen wir die Þjórsá queren. Das wird spannend.


14.3.2010: Die Þjórsá ist zugefroren, wenn ich auch nicht mit einem der 3t-Jeeps hätte drüberfahren wollen. Morgens war es mit 1° immer noch sehr mild. Die Sicht ist gut, unten jedenfalls. Die Berge sind alle in den Wolken. Am Nachmittag zieht es sich zu, es fängt sogar zu schneien an. Aber es bleibt warm: Ein ärmelloses Unterhemd unter dem Anorak reicht.
Das Gelände zwischen Þjórsá und Setur ist recht hügelig und es geht tendenziell bergauf. Außerdem ist es von Seen und Flüsschen durchsetzt, die bei dem warmen Wetter nicht zugefroren sind. Einmal versuche ich doch einen See auf dem direkten Weg zu queren, sinke aber bedenklich ein. Zum Umkehren ist es zu spät, also weiter. Das Wasser läuft mir über die Skistiefel, die Ski verschwinden gelegentlich unterm Eis, so dass ich sie rückwärts wieder rausziehen muss. Gott sei Dank halten die Schuhe dicht und die Persenning des Schlittens ist zwar durchweicht, aber es läuft nur ganz wenig Wasser rein. Nochmal Glück gehabt. Ich schwöre mir, so einen Unsinn nicht nochmal zu wagen. Leider habe ich mich nicht dran gehalten. Gegen 1/2 5, nach gut 7 h erreichen wir die Hütte.
Setur ist ein Stützpunkt des 4x4-Clubs Islands. Es ist eine große Hütte und ich hatte gelesen, ein geräumiger Vorraum sei immer offen. Na ja. Ein Vorraum war in der Tat offen, allerdings nicht geräumig und nur für Schuhe bestimmt. Aber was soll's. Wir haben auch schon in Pferdeställen geschlafen. Wir legen die Isomatten auf die Wasserablaufgitter zwischen den Schuhregalen und kochen.


15.3.2010: Traumwetter. Klar, sonnig, freier Blick auf den markantesten Gipfel der Kerlingarfjöll, den Lóðmundur: Sieht aus wie eine Tropfkerze aus Eis. Ein Riesenglück also, denn gerade heute würden wir den vielleicht landschaftlich reizvollsten Teil der Tour vor uns haben.
Wir halten immer direkt auf den Lóðmundur zu und kommen gut voran. Auf etwa 900m ist der Pass erreicht; danach folgen wir der Piste, denn das zerfurchte Gelände lässt es nicht mehr zu, den direkten Weg zu gehen. Schließlich folgt eine richtige Abfahrt hinunter auf eine lange, vereiste Ebene zu Füßen des Lóðmundur. Im Sommer ist sie wohl von zahlreichen Flüsschen durchzogen, jetzt geht sich darauf fast wie auf einem See. Zeit für die Mittagspause.
Fast 3 km zieht sich dieser Abschnitt, ehe wir abermals auf recht kurvigen Wegen bergab auf die nächste vereiste Sumpfebene kommen. An deren Ende geht es zu den Hütten der Kerlingarfjöll, wo sich im Sommer die Touristen tummeln. Wir haben seit Versalir niemanden auch nur von weitem gesehen und das wird auch bis zum Bláfell so bleiben. Wir lassen die Hütten links liegen und gehen weiter entlang der Piste Richtung Kjölur. Nach etwa 5 km droht eine Furt und wir stellen das Zelt für die Nacht auf. Der Himmel ist mittlerweile wieder bedeckt.


16.3.2010: Was für ein Tag! Gerade mal 9 km haben wir geschafft, plus 2 km nutzlosen Hin- und Hergehens. Das hatte seinen Grund.
Eigentlich wollten wir fix weiter auf der F347 zur Kjölur und von dort weiter nach Þverbrekknamúli. Alles in allem auch nicht mehr als 11 km. Kleine, gemütliche Etappe. In der Nacht hatte es angefangen zu schneien: dicken, pappigen Schnee. Am Morgen schneit es immer noch. Wir packen zusammen und finden uns nach etwa 100m an jenem Hindernis, auf das wir gestern keine Lust mehr hatten: Die Furt über ein Flüsschen, das laut Atlaskort Grímslækur heißt und sich beim Gýgjerfoss in den Jökulkvísl ergießt. Genau bei dieser Mündung quert die Piste das Flüsschen. Natürlich ist es nicht zugefroren aber zu breit und tief, um einfach so halbwegs trockenen Fußes durchzugehen. Also folgen wir dem Flusslauf durch eine malerisch verschneite Schlucht flussaufwärts. Wir haben Glück: Die Schlucht weitet sich und das Wasser strömt schließlich unter einer geschlossenen Eisdecke hervor. Dort queren wir das Flüsschen und steigen auf der anderen Seite den Hang hinauf, um wieder zurück zur Piste zu gehen. Das klappt, aber schon nach wenigen Metern das nächste Problem: Der Pappschnee bleibt an Gerds Fellen hängen. 10, 20 cm dick. Nach ein paar erfolglosen Versuchen den festen (fast zu Eis gepressten) Schnee loszuwerden gibt er auf und geht zu Fuß weiter. Es dauert nicht lang, dann fängt derselbe Mist bei mir an. Ich halte noch bis zur Kjölur durch, die wir nach 3,5 km erreichen. Dann klemme ich ebenfalls die Ski auf die Pulka und gehe zu Fuß weiter.
Unterdessen ist es Mittag geworden, was man daran merkt, dass der Schnee in Regen übergegangen ist. Es regnet leicht und nicht ununterbrochen. Kein Problem. Wir ziehen weiter auf dem direkten Weg nach Þverbrekknamúli. Nach 1 km schauen wir hinab auf die komplett offene Svartá. Das war's. Keine Chance das Teil 10 km flussauf- oder abwärts zu furten. Wir gehen zurück zur Piste und weiter nach Süden. Vielleicht können wir ja Hvítárnes erreichen.
Von wegen. Es sind 18 km bis Hvítárnes, was bei gutem Wetter machbar gewesen wäre. Stattdessen nahm der Wind aus Süden zu und bließ uns schließlich stark ins Gesicht. Dann fing es zu regnen an und zwar richtig und non-stop. Nach 5 km waren wir komplett nass. Meine Kleidung hielt zwar dicht, aber es war extrem fordernd: Bei strömendem Regen und starkem Gegenwind ziehen wir unsere Pulkas über's Hochland. Gerds Anorak hält längst nicht mehr dicht. Wie ein nasser Putzlumpen hängt er an ihm dran. Wir verlieren die Piste und gehen irgendwie der Nase nach, meistens bergauf. Plötzlich haben wir sie wieder und quälen uns unverdrossen weiter. Der Wind wird eher stärker und es regnet und regnet. Nach 2 oder schon 3 h kauern wir uns hinter einen Felsen, etwas Tee zu trinken und ein paar Nüsse zu essen. Obwohl eigentlich milde Wintertemperatur ist uns durch die Nässe und den Wind eiskalt. Lange halten wir das nicht mehr durch. Im Weitergehen halten wir nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau, windgeschützt und eben und mit genügend Schnee, die Häringe zu platzieren. Gibt's natürlich nicht. Windgeschützt kann man vergessen, aber dann entdecken wir ein ebenes Stück mit Schnee. Auffallend eben. Wir wollen gerade die Häringe platzieren, als uns klar wird, dass unter uns Wasser ist. Sofort tragen wir das Zelt ein Stückchen weiter und prompt bricht Gerd durch's Eis und steht mit beiden Füßen im Wasser: kurz nur, aber lang genug um nasse Schuhe zu bekommen. Wir beeilen uns mit dem Zeltaufbau und ich schleppe haufenweise schwere Lavasteine an, um den Häringen den nötigen Halt zu geben, denn an Schneedecke ist nicht zu denken. Endlich sind wir im Zelt und raus aus dem Wind und dem Regen. Die Zeltplane schlägt heftig im Wind aber es hält.
Drinnnen verbringen wir den Rest des Tages damit, die Kleider über dem Benzinkocher zu trocknen, was leidlich funktioniert. Draußen stümt und regnet es weiter.


17.3.2010: Irgendwann in der Nacht hört es zu regnen auf und der Wind lässt nach. Ich wache um 1/2 7 auf und es dauert eine Zeit bis ich tatsächlich aufstehe. Draußen ist es trocken (von oben) aber dicht bewölkt. Der Luftdruck ist weiter gefallen, eine grundlegende Wetterbesserung eher unwahrscheinlich. Auf dem Eis, das gestern noch den kleinen Teich bedeckte, steht zentimeterhoch das Wasser. Der weitere Verlauf der Piste ist deutlich zu erkennen, weil es ein weißer Streifen in ansonsten ziemlich graubrauner Lava ist. Im Süden hebt sich der Bláfell deutlich vom dunkelgrauen Hintergrund ab. Der Wind kommst schwach aus NO, bläst uns also angenehmerweise in den Rücken.
Wir benutzen jetzt wieder die Ski, denn der vom Regen plattgemachte Schnee haftet nicht mehr an den Fellen. Wir wollen weiter nach Hvítárnes. Kommt man wie wir von Norden, dann kann man den Weg um etwa 10 km verkürzen, wenn man die Svartá bei Árbúðir furtet. Von Süden ist das nicht nötig, da die Piste über eine Brücke führt. Wir kommen gut voran und nach deutlich weniger als 3 h und 10 km ist die Abzweigung nach Hvítárnes erreicht. Das Wetter ist immer noch passabel, auch wenn es mittlerweile wieder leicht regnet. Kurioserweise liegt seit ein paar Kilometern wieder mehr Schnee neben der Piste. Vielleicht ist es dieser Schnee, der mich ein wenig übermütig werden lässt.
Die Furt über die Svartá ist nur ein paar hundert Meter von der Kjölur-Piste entfernt. Von dort sind es noch 3 km bis nach Hvítárnes. Ein paar Meter über die Svartá entscheiden über 3 h Umweg. Als wir die Furt erreichen schaut es gar nicht so schlecht aus. Kein Vergleich zum dem Anblick, der sich uns weiter flussaufwärts geboten hat. In einem halbwegs normalen Winter wäre der Fluss hier komplett zugefroren gewesen; so war er nur halb gefroren, quasi Sorbet. So sah es auch aus: Kaum zu erkennen, wo tragfähiges Eis endet und trügerischer Matsch auf Wasser anfängt. Es ist durchaus vorstellbar, sich über ein paar kritische Stellen halbwegs trockenen Fußes hinweg auf die nächste Insel oder ans Ufer zu retten. In Summe vielleicht 3 m unsicheres Eis gegen 3 h mehr im Regen. Ich muss es versuchen.
Ich steche mit dem Stock ins Sorbet uns stoße auf hartes Eis. Also los. Nur 2 m bis zur nächsten Insel. Mit den Skispitzen fast schon am Ufer breche ich plötzlich ein. Die Ski rutschen unters Eis und ich falle nach vorn mit den Händen bis zum Ellbogen ins Wasser, mit den Beinen bis zu den Waden, die Skistiefel laufen voll. Weil die Ski unterm Eis klemmen, bekomme ich die Füße nicht mehr aus dem Wasser. Also löse ich so schnell wie möglich die Bindung, öffne den Gurt der Pulka und klettere an Land. Mein erster Blick zurück gilt dem Schlitten. Gott sei Dank steht er noch halbwegs trocken auf festerem Eis. Am Gestänge ziehe ich den Schlitten mit einem kräftigen Ruck über Eis und Wasser, so dass er sicher neben mir zu stehen kommt. Von meinen Ski schaut nur noch die Bindung aus dem Wasser; ich ziehe sie ebenfalls raus und meine Ausrüstung ist wieder komplett.
Ich stehe etwas ratlos da, an Unterarmen und Füßen völlig durchnässt, einschließlich Socken, Handschuhe und sonstige Kleidungsstücke. Drüben steht Gerd und überlegt, ob er es barfuß auch versuchen soll und wir die Sache einfach vollends durchziehen. Aber wir würden die Schlitten nie trocken rüberbringen. Also kehrt und in Bewegung bleiben. Zum Glück erweist sich meine "Insel" tatsächlich als eine Art Landzunge, so dass ich über Umwege zurückgehen kann, ohne nochmals zu riskieren, dass der Schlitten absäuft.
Ziel ist jetzt die Hütte Árbúðir, nur etwa 500 m weiter die Kjölur nach Süden. Die Hütte ist privat und es ist sehr fraglich, ob überhaupt ein Teil zugänglich ist. Ich hoffe dort im Wind- und Regenschatten wenigstens kurz die Schuhe auszuleeren und die Strümpfe auszuwringen. Erstaunlicherweise ist mir nicht kalt und ich bin recht zuversichtlich, in dieser Verfassung heute Hvítárnes auch über den langen Weg erreichen zu können. Sollten wir doch in Árbúðir bleiben können - nun um so besser.
Als ich um's Haus gehe und den Eingang suche finde ich nicht die üblichen Klappen vor der eigentlichen Tür, und das scheint mir ein schlechtes Vorzeichen zu sein. Ganz normales Haus quasi. Normales Schloss und normal verschlossen. Aber falsch gedacht! Ich kann sie öffnen und stehe im Vorraum für Schuhe und Gerät. Rechts die nächste Tür und auch die lässt sich öffnen! Ich stehe in einem winzigen Flur, von dem wiederum zwei Türen abgehen. Die erste führt ins Hauptgebäude und ist verschlossen. Aber die zweite ist unverschlossen und führt in eine kleine Notunterkunft mit einem Stockbett, einem normalen Bett und einem kleinen Tisch. Was für ein Glück!
Natürlich bleiben wir und versuchen in der kleinen Stube unsere nassen Sachen so auszubreiten, dass sie wenigstens eine kleine Chance haben bis morgen ein wenig trockener zu werden. Ehe wir uns doch noch auf den Weg nach Hvítárnes machen, den langen.


18.3.2010: Nun also Weg nach Hvítárnes. Warum überhaupt? In erster Linie, weil unsere Sachen immer noch sehr nass sind. Vor allem meine Schuhe und Strümpfe. Denn in Árbúðir konnten wir nicht heizen. In Hvítárnes dagegen würden wir die typischen Gasöfen finden. Zweitens ist der Luftdruck nach wie vor im Keller und die Wetterlage sehr instabil. Noch ein Regentag und eine Nacht im Zelt wäre wohl das Ende der Tour.
Also machen wir uns gegen 1/4 vor 10 auf den Weg. Es ist immer noch warm, nahezu windstill, die Wolken recht hoch, manchmal scheint ein wenig die Sonne. Der Gipfel des Bláfell liegt wie üblich in den Wolken und dahinter die grau-schwarze Wolkenwand. Die Bedingungen sind gut: Der aufgetaute Schnee ist in der Nacht wieder gefroren, so dass Ski und Schlitten leicht darüber hinweggleiten. Nach 1 1/2 h erreichen wir die Brücke über die Svartá. Nach einer kurzen Rast gehen wir nach Westen, um die Piste nach Hvítárnes zu treffen, was auch bald passiert. Wir folgen der Piste nach Norden und nach weiteren 1 1/2 h scheint Árbúðir auf der anderen Flussseite wieder zum Greifen nah, ehe es links hinab zum Hvítárvatn und zur Hütte geht. Um 2 Uhr erreichen wir unser Ziel.
Der Nachmittag wird sehr gemütlich: Lesen und Kaffee trinken und essen. Ob wir morgen das letzte Stück zum Hagavatn in Angriff nehmen, werden wir nach Hjámtýrs Wetterbericht entscheiden. Übrigens: Dies ist die erste Tour im isländischen Hochland, auf der wir das Satellitentelefon noch nicht gebraucht haben, weil wir immer GSM-Empfang hatten! Trotzdem würde ich mich nicht darauf verlassen.


19.3.2010: In der Nacht hat es angefangen zu stürmen, dazu klarer Himmel und (endlich) relativ kalt. Hjámtýrs Wetter-SMS sagte voraus NO 10 m/s und -1° C, morgen S 8 m/s und -1° C und am Sonntag S 5 m/s und -4° C. Der Wind kommt in der Tat aus NO, ist aber in Böen wesentlich stärker als 10 m/s. Ich erinnere mich an vergleichbare Bedingungen in Hveravellir, da waren es offiziell gemessen 13 m/s. Jedenfalls ist es draußen ziemlich unerträglich, so dass wir erst noch etwas abwarten, ehe wir entscheiden, ob wir heute weitergehen.
Um 1/4 nach 12 brechen wir schließlich auf. Der Wind ist immer noch stark, aber schon etwas schwächer als am Morgen. Schließlich ausschlaggebend aber ist, dass er von hinten bläst. Zusammen mit dem gefrorenen Nassschnee wirkt sich das phänomenal aus: Wir brauchen bis zur Brücke über die Hvítá, immerhin über 10 km, nur 2 h. Als wie an der Brücke rasten hat der Wind schon deutlich nachgelassen. Danach folgen wir der Piste hinaus zum Pass, den wir in 1 1/4 h erreichen. Wieder eine gute Zeit. Oben sehen wir nach 6 Tagen die ersten Menschen: Jeeps, die vom Langjökull runterkommen und zurück nach Reykjavík fahren. Und ein "stationärer" Bus als Materiallager für Snowscooter-Fahrer. Wir halten uns aber nicht lang auf, sondern peilen den nördlichsten der Jarlhettur an. Um 1/2 6 schlagen wir ein wenig südlich von Skálpanes das Zelt auf. Ein sehr schöner Platz mit einer großartigen Sicht über das schneefreie Südland. Leider etwas abschüssig.


20.3.2010: In der Nacht beginnt es zu schneien und am Morgen versinken wir ziemlich tief im Neuschnee. Als wir um 1/4 nach 9 losgehen haben sich die Nebel gelichtet und der Blick auf's Tiefland ist wieder frei. Es sieht deutlich weißer aus als am Abend zuvor.
Im Neuschnee ist es sehr viel mühsamer zu gehen. Der Südwind ist nicht wie angekündigt gekommen, wir haben immer noch leichten Nordwind. Insgesamt ist das Fortkommen viel schwieriger als erwartet. Auch das Gelände ist wegen zahlreicher Einschnitte recht hügelig. Als wir die Jarlhettur endlich erreichen ist der Weg entlang der Bergkette ebenfalls keinewegs eben! Dazu kommt, dass gegen Mittag der Schnee wieder pappiger wird und zu stollen beginnt. Das Wetter ist mal so, mal anders: Mal schneit es und wir gehen im Nebel, dann zeigt sich die Sonne wieder. Am Tröllhetta geht es dann allmählich etwas bergab. Wie nehmen die Felle ab, genervt und ermüdet von den Stollen. Es geht jetzt sehr viel besser. Bald haben wir das Tal erreicht; dann geht es noch etwa 3 km durch die Ebene. Die Hütte Hagavatn liegt ein wenig versteckt hinter den Bergen, v.a. wenn man von Norden kommt und den Weg nicht kennt. Um 3 Uhr erreichen wir sie.
Im Vergleich zu den anderen F.I.-Hüten, ist Hagavatn etwas verwahrlost. Das liegt natürlich auch an den letzten Besuchern. Aber meine erste Assoziation ist das Haus vom Janoschs kleinem Schweinchen. Eine geblümte Decke liegt unordentlich auf einer speckigen Matraze und es sieht aus, als seien das Schweinchen und Tiger nur eben raus Pilze suchen. Trotzdem ist es viel besser als ein Zelt und wir sind sehr froh endlich am Ziel zu sein.
Leider stellte sich heraus, dass wir zwar am Ziel, aber nicht am Ende waren. Hjámtýr kann uns nicht wie geplant abholen: Erstens ist die Brücke nach Süden auf die Piste Kjölur/Kaldidalur kaputt, zweitens die Piste überschwemmt wegen des Tauwetters und das Fortkommen auf den Hagavatnaleið ist für die Jeeps höchst ungewiss. Wir verabreden, dass wir ihnen so weit wie möglich entgegengehen. Zur Not bis zum Gullfoss.


21.3.2010: So schlimm kommt es dann doch nicht. Am Morgen brechen wir nach Westen auf und folgen der Hagavatnaleið. Anfangs geht das recht gut, aber bald fehlt der Schnee. Wir schnallen die Ski ab und ziehen die Schlitten zu Fuß über Dreck und Steine. Es tut in der Seele weh, das teure Gerät so zu ruinieren. Aber was bleibt uns anderes übrig? Der Himmel ist bedeckt, aber alles in allem ist das Wetter nicht schlecht. Wir queren mit viel Mühe einige trockene Bachbette voller riesiger Steine. Für mich nicht vorstellbar, dass die Jeeps hier durchkommen. Der Weg führt irgendwann ein wenig bergauf und wir haben einen ganz guten Blick über den weiteren Verlauf der Piste. Da sehen wir die Jeeps anrollen. Ungefähr auf halbem Weg zur Kjölur treffen wir sie schließlich. Damit ist unsere bislang längste Wintertour tatsächlich zu Ende.